Buch: „Das Kamerahandbuch Canon EOS 70D“

Lange bin ich drum herum geschlichen, nun habe ich es mir doch zugelegt: „Das Kamerahandbuch Canon EOS 70D – Ihre Kamera im Praxiseinsatz“ von Holger Haarmeyer und Christian Westphalen.

Warum habe ich gezögert?

Aus zwei Gründen:

Zum einen ist das Buch relativ teuer und ich wollte es nicht online kaufen, ohne zu wissen, was mich erwartet. Ich wollte weder ein Buch, dass mir erstmal die Geschichte der Fotografie im allgemeinen und die von Canon im speziellen erzählt, sondern ein sehr konkretes Handbuch, in dem auf die Kamera und ihre (Einstellungs-)Möglichkeiten eingegangen wird. Mir sollte keiner erklären, dass ich vor dem Fotografieren den Deckel von der Linse nehmen muss, aber ich wollte auch nicht mit Fremdwörtern und/oder technischen Details zugeworfen werden.

Den zweiten Grund habe ich in Ansätzen schon erwähnt. Ich habe hier einige Bücher zum Thema Digitale Fotografie herumstehen. Die Mehrzahl der Seiten könnte ich getrost herausreißen, weil sie für mich keinen Mehrwert haben. Es ist ja ganz nett zu wissen, wie die Kamera technisch funktioniert und welche Physik dahinter eine Rolle spielt. Wo der Unterschied zwischen menschlichem Auge und einer Kameralinse liegt und wie sich das Licht im dritten Viertel bricht. Allerdings: das interessiert mich nicht. Ich will konkret wissen, wie ich mit welchen Grundeinstellungen was fotografiere. Worauf ich achten muss und wo der Fehler liegen könnte, wenn es so gar nicht funktionieren will. Leider legen viele Bücher eben den Fokus auf ersteres. Kapitelweise Technik, noch mehr allgemeines Blabla und in einem fitzelkleinen Teil wird es dann konkret. Davon habe ich also genug Bücher und brauche nicht noch eines für viel Geld.

Warum ich es doch gekauft habe.

Als ich mir die EOS 70D gekauft habe, hatte ich schon drei, vier Jahre mit der EOS 1100D auf dem Buckel und dachte mir: „Kennste eine, kennste alle!“ Ich musste jedoch zu meinem Leidwesen feststellen, dass dem eben nicht so ist. Genau genommen hat mir meine Erfahrung mit der kleineren Canon im Umgang mit der 70D nicht geholfen. Alles, was ich bei der Kleinen aus dem EffEff beherrschte, hatte bei der größeren nun keinen Taug mehr. Das Handbuch der Canon liegt digital auf einer CD. Da habe ich auch schon mal reingeguggt, aber ich schau mir kein komplettes Handbuch am PC an und zum Ausdrucken war es zu umfangreich. Einige konkrete Einstellungen kann man im Internet nachschauen, aber ALLE Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten? Ich hätte mir einen Wolf im Netz gesucht und gelesen. Vor allen Dingen interessierten mich der Autofokus (mit dem ich ja gerne meine Probleme habe/hatte) und was denn an der Kamera überhaupt was und wofür ist.

Als ich im Buchladen dann ein Buch für meinen Vater holen sollte, ist mir beim Stöbern auch die Fotografie-Abteilung aufgefallen und da stand es nun, griffbereit und vor allen Dingen bereit, schon vorab einen Blick hineinwerfen zu können. Ich habe es kurz durchgeblättert und da ich unmöglich aus einen Buchladen gehen kann, ohne für mich ein Buch mitzunehmen (Bücher für andere zählen nicht!), habe ich es mitgenommen.

Das Buch und seine Kapitel

Das Buch ist ein Hardback, riecht etwas streng und hat insgesamt -mit Index- 445 Seiten. Es ist aufgeteilt in insgesamt 8 Kapitel:

  1. Die Canon EOS 70 D kennen lernen (S. 13 – 61)
  2. Autofokus und Schärfe (S. 63 – 102)
  3. Belichtung (S. 105 – 171)
  4. Blitzfotografie (S. 175 – 209)
  5. Objektive (S. 213 – 261)
  6. Nützliches Zubehör (S. 267 – 290)
  7. Filmen mit der Canon EOS 70 D (S. 297 – 345)
  8. Alle Menüs und Einstellungen im Überblick (S. 349 – 430)

Die Kapitel haben dann noch diverse Unterpunkte, versteht sich.

Auch hier musste ich feststellen, dass für mich persönlich einige Kapitel nicht oder zumindest noch nicht interessant sind. Inbesondere 4. Blitzfotografie, 6. nützliches Zubehör und 7. Filmen mit der Canon hätte ich nicht gebraucht. Ich filme nicht mit einer Fotokamera. Wenn ich Filmen will, kaufe ich mich eine Filmkamera. Und das nützliche Zubehör: naaaja. Dass man ein Stativ braucht, kann man sich ungefähr denken. Regenschutz und Speicherkarten? Muss ich sowas eigene Seiten widmen? GPS-Empfänger? Wer auf sowas scharf ist, würde sich auch so darüber informieren können. Auch das erste Kapitel hätte für mich auf fünf oder sechs Seiten gekürzt werden können.

Ich habe jedoch die Kapitel 1 bis 3 – also etwa die Hälfte des Buches wirklich intensiv durchgearbeitet. Habe mir kleine Merker an den Rand gemacht und für mich wichtige Aussagen oder Tipps markiert.

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Die Kapitel (und ihre Unterpunkte) sind mit vielen Bildern aufgelockert und logisch aufgebaut. Am Ende eines jedes Kapitels ist dann der sogenannte „Praxistipp“, von dem ich nicht so überzeugt bin, ob es da nicht andere, bessere Praxistipps gegeben hat. So ist der Praxistipp beim Kapitel „Belichtung“  Panoramafotografie und außerdem lernen wir noch, wie wir aus einem Smartphone eine tolle Lichtquelle für ein Modellauto basteln. Na, wenn wir sonst nix zu tun haben beim Thema „Belichtung“.

Das erste Kapitel ist absolut für Anfänger gedacht. Es hätte wirklich nur noch gefehlt, dass da steht, man müsse den Deckel vom Objektiv nehmen. Aber trotzdem habe ich noch den ein oder anderen Hinweis auf irgendeinen Knopf gefunden, der mir bis dato noch nicht aufgefallen war. Ob es so wichtig war, dass es ich noch wüsste, wenn ich es mal brauchen sollte, weiß ich allerdings nicht.

Das zweite Kapitel – Autofokus und Schärfe – war endlich genau so, wie ich es mir gewünscht habe. Natürlich ist auch hier einiges an technischem Blabla enthalten, was man nun nicht unbedingt für die reine Nutzung der Kamera benötigt, aber ansonsten war es eine gute Mischung zwischen Anfänger- und Fortgeschrittenen-Wissen, das sehr gut und nachvollziehbar erklärte, wie der Autofokus funktioniert und warum er manchmal daneben haut. Es war für mich ein wirklich erleuchtendes „Aha!“-Ergebnis.

Das dritte Kapitel – Belichtung – indes war dann wieder eine Ernüchterung. Ich habe bisher noch kein Buch gefunden, bei dem ich nicht das Gefühl hatte, dem/der oder den Autor*innen wäre es nicht lästig, über so etwas doch ganz Logisches und Selbsterklärendes etwas schreiben zu müssen. Blende, ISO, Weißabgleich … Leute, das ist doch alles ganz klar!

Mir war es noch nie so ganz 100%ig klar und deshalb war ich nach dem Kapitel über den Autofokus total enttäuscht, dass auch hier das Thema Belichtung eher im Galopp und mit viel Technik, aber wenig Anwendungsbeispielen gespickt war. Da stehen dann so Sätze wie „Wenn Sie den ISO-Wert um den Faktor 2 erhöhen, können Sie den Blendenwert um den Faktor 1,4 erhöhen oder die Belichtungzeit halbieren und erhalten trotzdem die gleiche Bildhelligkeit.“ Ich hätte es gut gefunden, wenn man da mal ganz konkret ein Beispiel dazu geschrieben hätte, aber das ist dem Leser oder der Leserin selbst überlassen, sich einen Reim darauf zu machen. Leider gibt es in diesem Kapitel kaum konkrete Beispiele. Es wird viel theoretisiert und man könnte/sollte, aber tatsächlich verstanden habe ich genauso wenig wie vorher. Dafür ist man dann durch die verschiedenen „Betriebsarten der Belichtungseinstellungen“ – also P, Tv, Av und wie sie alle heißen- fröhlich durchgaloppiert und der Satz „Sie werden die Blende ohnehin von Hand wählen wollen, weil es für viele Motive einen optimalen Blendenbereich gibt, der wenige Variationen zulässt“ fand ich ein wenig übermotiviert, wenn man gerade erst dabei ist, die Kamera kennen zu lernen (dafür liest man ja dieses Buch!) und froh ist, wenn sie überhaupt einigermaßen das tut, was man will. Die „optimalen Blendenbereiche für viele Motive“ kenne ich zum Beispiel nicht.

Das vierte Kapitel „Blitzfotografie“ ist für mich uninteressant, da ich es hasse, mit Blitz zu fotografieren.

Im fünften Kapitel – „Objektive“ – werden eine relativ große Menge an Objektiven vorgestellt. Positiv: Es handelt sich dabei nicht nur um Canon-Objektive. Ein bisschen doof ist es halt, dass die Objektive da jetzt festgetackert sind und wenn das Buch mal zwei Jahre alt ist, vielleicht nicht mehr aktuell sind. Ich habe das Kapitel zwar erstmal nur überflogen, aber zumindest werden hier, bevor man bei den Beschreibungen der Objektive damit um sich schmeißt, Begriffe wie „Bokeh“, Brennweite und Lichtstärke erstmal erklärt. Ob man daraus schlau wird, kann ich noch nicht sagen, ich habe es zum einen erst überflogen und zum anderen bin ich mit meinen Objektiven im Moment sehr zufrieden, dass ich den Kauf eines weiteren erstmal nicht plane und mich daher mit dem Thema erstmal nicht auseinander setzen muss.

Das sechste Kapitel – „Nützliches Zubehör“ – habe ich auch erst überflogen. Es beschäftigt sich relativ ausgiebig mit Stativen und dann weniger ausgiebig mit Fernauslösern, GPS-Empfängern, Batteriegriff, Filtern, Streulichtblende, Regenschutz, Speicherkarten und der Sensorreinigung.

Filmen will ich nicht mit meiner Kamera und das achte Kapitel -„Alle Menüs und Einstellungen im Überblick“ werde ich mir mit Sicherheit nochmal in Ruhe zu Gemüte führen (müssen).

Fazit

Von den 445 Seiten hätte ich -zumindest mein Fazit bisher- mit einem Drittel, wenn nicht weniger, leben können.

Die Informationen zum Autofokus waren wirklich, wirklich hilfreich und wenn das ganze Buch in diesem Stil und auf diesem Niveau geschrieben wäre, dann hätte ich Kapitel, die sich mit Themen, die mich nicht interessieren, sehr leicht leben können. Es ärgert mich, dass das Thema „Belichtung“ in seiner Gänze mal wieder so lieblos geschrieben wurde, als ob doch jeder im Grunde wüsste, was damit gemeint ist, während man sich hingebungsvoll fast 50 Seiten mit dem Thema „Filmen“ abgibt, wozu die Kamera ja im Grunde gar nicht hauptsächlich ausgelegt ist. Diese 50 Seiten noch ein für die Belichtung genommen und dafür ein bisschen ausführlicher UND mit Beispielen auf Blende, ISO-Wert, Weißabgleich und Belichtungszeit eingegangen und man hätte zumindest den Hauptfokus besser gelegt.

Aber dieses Buch schafft es nicht, seinen Mittelweg beizubehalten und Anfängern sowie Fortgeschrittenen gerecht zu werden.

Nun kann man sagen, dass es das ohnehin nicht gibt. Das stimmt. Aber dann muss ich mich für eines entscheiden: Schreibe ich für Fortgeschrittene oder schreibe ich für Anfänger und – das tut dieses Buch nicht. Schreibe ich für Anfänger, so erkläre ich alles von Grunde auf. Meinetwegen eben auch, wie eine Kamera technisch funktioniert, die ganze Theorie dahinter blablabla. Schreibe ich für Fortgeschrittene, muss ich all das jedoch nicht mehr erwähnen.

Dieses Buch heißt „Das Kamerahandbuch Canon EOS 70D – Ihre Kamera im Praxiseinsatz“ und genau das hat mir in ganz großen Teilen gefehlt: der Praxiseinsatz. Die ganz konkreten Einsatzmöglichtkeiten, mehr Beispiele, mehr Einstellungsbeispiele, Tipps für Fehlerbehebungen, How to’s, usw.

Das Kapitel mit dem Autofokus hätte ich wahrscheinlich inhaltlich auch im Internet gefunden.

Trotzdem bin ich nicht ganz unzufrieden. Ich bin zwar enttäuscht, aber Enttäuschung kommt ja auch daher, dass man sich etwas anderes vorgestellt und das eben nicht bekommen hat. Also nehme ich das Buch als das, was es ist: ein Nachschlagewerk, in dem ich noch das ein oder andere nachblättern kann. Das Kapitel mit den Objektiven könnte ja noch mal interessant werden und auch die Menüs und Einstellungsmöglichkeiten könnten ja noch den ein oder anderen Schatz verbergen.

Ich wüsste jedoch nicht, wem ich dieses Buch empfehlen sollte: Einem Anfänger oder einem Fortgeschrittenen. Aber ich weiß: Wer immer es sich kaufen möchte, der sollte unbedingt in eine Buchhandlung gehen und sich das Buch vorher gründlich ansehen. Länger hinein lesen. Und sich dann gut überlegen, ob das Preis-Leistungsverhältnis für einen selbst in Ordnung ist.

Es gibt übrigens noch ein zweites, ähnliches Buch: „Canon EOS 70D: Das Handbuch zur Kamera“ von Dietmar Spehr. Aber ich befürchte, das wird auch nicht anders sein.

 

Fighting Canon 70D #2: Sonne und Licht

Heute war ich den Tag über mit meinem Wohnzimmer beschäftigt. Damit mir aber keiner sagen kann:“Ha, da jammerst Du übers schlechte Wetter und wenn die Sonne scheint, kriegst Du Deinen Kadaver nicht vors Loch“ habe ich mich tapfer aufs Fahrrad geschwungen. Auf dem Rücken meine 70D. Viel vom Tag blieb nicht, bis die Sonne verschwinden würde. Im Winter hat man eben doch nur einen begrenzten Zeitraum. Der Sonnenuntergang war heute auf 16:42 Uhr angesetzt, aber die Wolken haben ihn ein bisschen vorgezogen. Dabei hatte ich mein Tamron SP AF 17-50mm 2,8 Di II VC Objektiv. Das hatte ich mir damals in Flensburg  bei Foto Raake gekauft. Falls ihr mal in Flensburg sein: super Laden, extrem nett, tolle Beratung und wenn ihr ein Problem habt, schauen die sich eure Bilder direkt am PC an und sagen euch, wo ihr noch ne Schraube drehen könnt. Das erste Mal kam das Objektiv nachts am Hafen zum Einsatz. Ebenso in den frühen Morgenstunden, ebenfalls am Hafen. Sollte was schiefgehen … am Objektiv kann es nicht liegen.

Das erste (und bisher einzige) Mal, als ich mit meiner Canon draußen gewesen bin, war im November bei dickstem Nebel. Da hat sie sich eigentlich sehr tapfer geschlagen und meine Begeisterung war groß. Mittlerweile etwas ernüchtert war ich gespannt, wie sie sich bei gutem Licht präsentieren würde. Was macht er also, der Autofokus?

Bei meiner EOS 1100 D habe ich meistens die Blendenautomatik gewählt. Sprich: Ich stelle die Verschlusszeit ein, die Kamera die Blende. Die Canon EOS 1100D hat bei mir stets dazu geneigt, die Bilder überzubelichten. Deshalb hatte ich die Belichtungskorrektur grundsätzlich auf -1 eingestellt. Die Canon EOS 70D neigt nun zum Gegenteil: Bei gleichen Einstellungen wie bei der 1100D neigt sie zum Unterbelichten. Also habe ich die Belichtungskorrektur auf +1 eingestellt.

Dann war es okay.

Also…Schätzelein…was kannste?

Anbei eine Auswahl der Bilder direkt von der Speicherkarte. Kein Photoshop, kein Lightroom, keine sonstige Bearbeitung.

Na, das sieht doch relativ ordentlich aus. Wie gesagt, es ging mir erstmal vor allen Dingen um die Schärfe und den (Auto)Fokus.

Und jetzt zu den Bildern, auf die ich am besten gespannt war: Der Autofokus bei Nahaufnahmen. Tut er das, was ich will? Fokussiert er das, was ich anpeile oder streckt er mir den mittelsten Finger entgegen?

Okay, ich würde sagen, so langsam werden wir uns einig. 😀

Ups.
Ups.

 

 

 

 

 

 

 

Diese Bild muss ich der Canon verzeihen, da bin ich nämlich fast in den Graben gekippt. 😀

Zu guter Letzt noch mal die Sonne, bevor sie sich dann endgültig verkrümmelt hat.

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Ich hatte heute nicht viel Zeit und zugegeben auch nicht viel Muße. Aber ich bin erstmal erleichtert, denn von dem 80%igen (!) Ausschuss, von dem bei der Canon 70D häufig gesprochen wurde, habe ich soweit erstmal nichts bemerkt. Für ein erstes Mal bei diesen Lichtverhältnissen bin ich zufrieden. Ich habe mit größerem Frust gerechnet. Auch damals im Nebel hat sich die 70D recht gut benommen. Kritisch soll es ja ohnehin nur in einem Blendenbereich bis 2,8 sein.

Jetzt bin ich erstmal etwas beruhigt(er) und hoffe darauf, die nächste Runde mit mehr Zeit und Muße angehen zu können.