Digital? Kann doch jeder!

Die meisten, die sich hier tummeln und ein bisschen was mit Fotografieren zu tun haben, werden das mit einem digitalen Endgerät tun: Spiegelreflex, „normale“ DigiCam, Systemkamera, Handy… Vielleicht haben ein paar auch noch eine analoge Kamera. Dann haben sie meinen Respekt. Das ist mit Sicherheit die ganz hohe Kunst des Fotografieren. Aber digitale Fotografie ist eben mittlerweile die Normalität und trotzdem halten sich doch diverse Vorurteile hartnäckig. Gerade die ältere Generation rümpft da gerne mal die Nase …

Digital?! Achso. Ja. Gut. Man kann ja die Bilder löschen, wenn sie nichts geworden sind.“

Kann man und tut man. Normalerweise gehen locker 2/3 aller Fotos einer Session den Weg in den Papierkorb. Das heißt aber nicht, dass man von vornherein davon ausgeht, dass man das Foto, das man macht, später sowieso löschen wird. Dann brauche ich das Foto nämlich erst gar nicht zu machen. Man versucht immer, das bestmögliche Foto zu machen. Das ist zumindest mein Anspruch. Dass man den Vorteil hat, mit verschiedenen Einstellungen zu probieren oder verschiedene Blickwinkel zu versuchen, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber trotzdem knipst man bei weitem nicht wüst darauf los, weil man im Hinterkopf hat, dass man es ja „eh löschen“ kann.

Man fotografiert auch sicherlich mehr. Mehr Motive, die einem in diesem Moment interessant vorkommen, später jedoch total doof aussehen. Man trainiert mit den Objektiven. Das sind alles Vorteile, die die digitale Fotografie mit sich bringt. Eines ist jedoch beiden Formen der Fotografie gemeinsam: man möchte ein tolles Foto machen. Und zwar absichtlich und nicht auf dem „Prinzip des Zufalls“ basierend. Und wenn man ein Foto vergeigt, dann ärgert man sich genauso, wie man es bei einer analogen Fotografie getan hätte.

„Das kann man ja alles auf dem Rechner später bearbeiten.“

Ja, kann man. Kann ich mit einem analogen Foto allerdings auch, indem ich es einscanne.
Nein, kann man nicht. Nicht alle Fotos, die man macht, kann man mit einem PC „retten“. Man kann minimale Fehler ausgleichen, aber man kann nicht aus Scheiße Gold machen. Ich brauche schon eine gewisse Grundschärfe, Helligkeit, etc. Ich habe auch ehrlich gesagt keine Lust, an meinen Bildern am PC so lange herumzubasteln, bis ich aus dem berühmten Toaster ein Bügeleisen gemacht habe. Das Bearbeiten am PC gehört sicherlich dazu, aber mein Anspruch ist es, möglichst wenig nachbearbeiten zu müssen. Wenn ich es Foto versaut habe, habe ich es versaut. Digital oder analog. Abgesehen davon: ja, man kann es auch mit einer digitalen Kamera schaffen, solche Fotos zu schießen, die nicht bearbeitet werden müssen, weil sie so schon gut sind. Nicht jedes digitale Foto ist bis zum Erbrechen bearbeitet!

„Das ist immer so doof mit diesen Kameras, da kann man die Bilder ja nur auf dem PC anschauen.“

Nein, kann man, muss man aber nicht. Ich habe Fotoalben voller Fotos (ja, echte Fotoalben mit echten Fotos!), Poster an meinen Wänden hängen, ich lasse aus meinen Fotos Postkarten und Grußkarten drucken. Bei der analogen Fotografie musste ich auch den Film zum Entwickeln bringen, bei der digitalen Fotografie ist es nicht anders. Es gibt genug Anbieter im Netz und wer das Internet nicht nutzen kann oder mag, kann mit seiner Speicherkarte in vielen Geschäften die Bilder in den unterschiedlichsten Qualitätsstufen entwickeln lassen. Ist total einfach. Man muss es nur wollen. Und tun.

„Die Kameras machen ja heutzutage alles selber, da muss man ja nichts mehr einstellen.“

Sagen die Leute, die sich möglichst teure Digi-Cams kaufen und dann darüber fluchen, weil „die Kamera so schlechte Fotos“ macht. Komisch. Dabei machen die doch alles selber. Auch ein digitales Fotogerät braucht einige Grundvoraussetzung wie z.B. ein kleines bisschen Licht und dass man vielleicht unter Umständen sie auf das Objekt richtet, das fotografiert werden soll. Sie schafft es auch nur in Maßen, einen Gegenstand in 3 km Entfernung gestochen scharf auf 30 cm heranzuzoomen. Oder umgekehrt. Aber egal, denn wenn es nichts geworden ist, kann man es ja löschen. Nur doof halt, wenn es Bilder der Hochzeit, des 1. Geburtstags oder eines Traumurlaubs waren, also Ereignisse, die kein zweites Mal kommen werden.

Also, so viel schlechter ist die digitale Fotografie nun auch nicht. Und auch nicht ganz so einfach, wie manche es glauben.

1 Comment Hinterlasse einen Kommentar

  1. Wenn ich bilder schon kräftig am PC bearbeiten muss, damit sie vorzeigbar sind… dann lösche ich sie lieber 😉 Ich halte nicht viel von Bearbeitungen. Die Fotos in meinem Blog sind zu 95% nur geschärft. Mehr nicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s