7000 Schritte – Fünfte Woche Motivationsflaute

Impressionen fünfte Woche

Besser schlafen?

In nahezu jedem Artikel, bei dem es ums Spaziergehen geht, steht, dass einer der positiven Aspekte des Spazierengehens besserer Schlaf wäre.

Nach nun mehr fünf Wochen Selbstversuch kann ich sagen: Äh…nein!

Was mich selber wundert. Es gibt Touren, da dachte ich, ich müsste fix und fertig ins Bett fallen und schlafen wie ein Stein. Ich weiß nicht, ob es einen Kausalzusammenhang gibt, aber ich habe eher das Gefühl, schlechter zu schlafen. Nicht, dass ich abends nicht müde wäre. Manchmal ist es 21 Uhr und ich bin so müde, dass ich Angst habe, unter der Dusche einzuschlafen. Aber obwohl ich relativ gut einschlafen kann, ist mein Schlaf nicht besonders tief, ich wache nachts oft auf, jede Schlafposition scheint zu unbequem.

Ich kann also diesen Punkt nicht wirklich unterschreiben. Soll aber niemanden davon abhalten, es für sich selbst zu probieren.

Schuhe einlaufen

Jeder weiß, dass neue Schuhe ordentlich eingelaufen werden müssen. Meine Mutter hat sogar schon in Stöckelschuhen gestaubsaugt, weil sie die Schuhe abends unbedingt hatte anziehen wollen, dieselben jedoch noch nicht eingelaufen waren.

Gut, ich habe hier jetzt nicht in meinen Wanderschuhen die Wohnung geputzt, aber wollte die Woche langsam angehen. Zumal ich mir immer noch nicht so ganz sicher war, ob diese Schmerzen in meiner Hüfte wirklich von den Schuhen oder doch ganz einfach durch Überanstrengung gekommen waren.

Der erste kleine Spaziergang war gerade mal 4 km. Der linke Schuh passte wie angegossen, der rechte hingegen hatte noch etwas Probleme mit der Schnürung. 3 km war alles trotzdem recht gut, beim letzten dann fing der rechte Fuß an zu arbeiten und krampfte leicht vor sich hin.

Am nächsten Tag waren es schon 8 km. Es lief sich viel besser, kein Krampf mehr im Fuß, aber nach etwa 6,5 – 7km meldete die klassische Stelle an der Ferse, sie würde sich jetzt mal auf eine Blase vorbereiten, wenn ich nicht aus diesen Schuhen rauskäme. Zu Hause, nach knapp 8 km, die Ferse gerade noch so überreden können, das mit der Blase sein zu lassen.

12 km – das war so nicht geplant!

Am dritten Tag nun wollten wir eigentlich einen „normalen“ Spaziergang so um die 7 km angehen. Das schien die Ferse gerade noch so zu tolerieren, ohne gleich wieder die Blasendrohung rauszuholen zu müssen und das ist auch eine gute Distanz, um in ca. 1,5 h genug Schritte zu generieren.

Allerdings kamen wir vom Weg ab. Und das sogar zunächst geplant.

Unser Lauf-„Kiez“ wird auf einer Seite von einer Autobahn eingegrenzt. Es gibt zwei Möglichkeiten, um auf die andere Seite zu kommen: entweder durch eine Unterführung oder über eine Brücke – beides für Fußgänger und Radfahrer geeignet. Die beiden liegen ungefähr 4 km auseinander und die Waldgebiete, in denen sie sich befinden, sind sich sehr ähnlich. Genau das wurde uns zum Verhängnis. Genau genommen mir, denn die Liebe, die immer brav mitläuft und sich hin und wieder lieber auf Apps als auf mich („Wir sind hier nicht im Amazonas, ich brauche keine App, um zu wissen, wo wir hinlaufen müssen!“) verlässt, hatte vorher leise Bedenken bzw. einen anderen Vorschlag angemeldet. Den ich zur Seite gewischt habe – ich bin hier aufgewachsen, ich kenne mich aus!

Ja, das mag für die andere Seite der Autobahn zutreffen, auf dieser Seite, auf der wir uns jetzt befanden, unterlag ich, wie gesagt, einem Irrtum.

Zum Zeitpunkt meiner falschen Entscheidung waren wir vielleicht 5 km gegangen. Wären wir den selben Weg zurück gegangen, wäre es ein ordentliches Stück gewesen, aber kein Drama. So aber liefen wir in die andere Richtung: Sonne, flaches Land, Felder – gefühlt in der Mitte von Nirgendwo, eine andere Stadt jedoch direkt vor Augen. Aber der Weg zog sich, wir hatten Hunger und Durst und immer vor Augen, dass wir alles, was wir jetzt in die eine Richtung liefen, auch wieder nach Hause laufen mussten. Als wir endlich am Stadtrand angekommen waren, hatten wir die 7km überschritten und meine Ferse sah den Deal, den ich mit ihr geschlossen hatte, als geplatzt an: natürlich hatte ich eine Blase.

Wenn ich aufbreche, habe ich immer drei Dinge in meinen Hosentaschen: Schlüssel, Handy, Geld.

Dort, wo wir waren, gab es einen Tegut und einen DM. Und ich hatte genug Geld, um uns etwas zu essen, zu trinken und Pflaster zu kaufen. Unsere Laune war damit auch nicht mehr unbedingt zu retten, aber es fühlte sich besser an. Nun hatten wir noch 6 -7 km zurück vor uns.

Meine Ferse jammerte bei jedem Schritt, denn leider hatte es keine Blasenpflaster gegeben und die, die ich drauf gemacht hatte, schubberten immer wieder ab. Zu dem begann mein Bauch, zu zwicken und zu kneifen und gefährlich zu brodeln.

Lange Geschichte kurz: Der Rückweg war wirklich alles andere als lustig.

Als wir noch etwa 2km von zu Hause waren, rief meine Mutter an, wo wir denn blieben, wir wären doch schon recht lange unterwegs und mein Vater würde sich Sorgen machen.

Später, nachdem wir ihr erzählt hatten, welche Odyssee wir hinter uns hatten, meinte sie, warum wir nicht angerufen hätten, sie hätte uns doch abgeholt. Aber das hätte mein Stolz nicht zugelassen. Wir waren ja, wie gesagt, nicht im Amazon – und wer eine schlechte Entscheidung trifft, muss dann auch die Konsequenzen ausbaden.

Aber das waren gefühlt die längsten 12 km meines Lebens.

Motivationsflaute

Ich gebe zu: besonders nach diesem Lauf nahm die Motivation, die mich die ganzen vier Wochen vorher getragen hat, massiv ab.

Ich will endlich mal wieder einen Tag haben, an dem ich nicht durch die Gegend stiefeln muss, nur um eine gewisse Anzahl von Schritten zu generieren, die jemand als erstrebenswert ansieht. Ich will endlich mal nach getaner Arbeit die Füße hochlegen, auf dem Balkon oder im Garten ein Buch lesen und einfach mal nicht im Hinterkopf haben müssen, dass mir ja noch x Schritte fehlen und ich soundsoviel Kilometer laufen muss, um diese Anzahl zu erreichen.

Ich frage mich, ob es sinnvoll ist, bleischwere Beine immer wieder zum Laufen zu zwingen. Fühlen sich mein Nacken, meine Schultern weniger verspannt an, fühle ich mich fitter … oder ist es nicht eher so, dass fast jeden Tag ein neues Zipperlein hinzukommt? Muss ich eine Blase am Fuß ertragen, nur, um 7000 Schritte zu erreichen, als ob ich Geld dafür bekommen, als ob mein Leben davon abhängen würde? Nur, weil eine App am Ende des Tages sonst enttäuscht sein könnte? Weil ich eine Challenge nicht schaffen könnte und dann keine 8,99€ Komoot-Region geschenkt bekommt (die ich mir problemlos kaufen könnte)?

Fühle ich mich besser, wenn ich, trotz mentalem und psychischem Widerstand, losstiefele und eine gewisse Anzahl an Kilometern präsentieren kann?

Ist es nicht eher so, dass ich der Liebe mittlerweile an den Hals springen möchte, wenn sie einfach nur fragt, ob wir später wieder laufen gehen?

Ist das alles wirklich gesund? Gesünder? Was genau bekomme ich noch gleich dafür?

Mein Tag hat auch nur 24 h und es ist nicht immer einfach, allen und allem gerecht zu werden und danach noch mal eben 2h Zeit für 10.000 Schritte zu haben. Und dann noch Zeit zu haben für die anderen Dinge, die man auch gerne mal machen würde. Wie eben lesen oder Blog schreiben oder, oder, oder…

Bei allem Corona…das ist ja kein Urlaub, sondern ich arbeite ja ganz normal und ganz normale Stunden unter der Woche.

Gleichzeitig habe ich aber die Befürchtung, wenn ich es einmal einreißen lasse und nicht laufe, dass ich am nächsten Tag wieder eine Entschuldigung finde, aber übernächsten Tag und am Tag drauf wieder…und am Ende dann doch alles für sinnlos deklariere und aufhöre.

Vielleicht liegt es einfach nur an den Hormonen – meine Damen, ein Teil von Ihnen wird wissen, was ich meine! – und an den damit ohnehin körperlich, geistig und seelisch verbundenen Zuständen.

Es schiebt sich um einiges schwieriger durch die Gegend, wenn sich nicht nur die Beine anfühlen, als hätte man sie mit Sand aufgefüllt, sondern man gleichzeitig noch das Gefühl hat, der Unterleib gleicht einem Medizinball. Wenn der Kreislauf am Boden und das Hirn benebelt ist und man einfach nur existieren möchte (oder wahlweise auch nicht, je nachdem, wie gut die Tabletten gegen die Schmerzen wirken), ohne irgendetwas tun zu müssen. Und nein, da hebt es auch nicht meine Stimmung, in der Sonne spazieren zu gehen.

Es ist jetzt Sonntag, 14:00 Uhr und ich habe genau 309 Schritte auf meiner Uhr. Und ich weiß noch nicht, wie viele es heute noch werden.

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