Digitale Aufräumungsarbeiten

Spätestens seit der neuen Datenschutzverordnung (DSGVO) trudeln bei mir Emails von Anbietern etc. ein, von denen ich mich nicht mal erinnern kann, jemals etwas mit ihnen zu tun gehabt zu haben. Ja, über 20 Jahre im Internet, die Bequemlichkeit des Online-Bestellens und die Nutzung von diversen Online-Möglichkeiten im Netz hinterlassen Spuren.

Ich gebe zu: obwohl ich aus der IT-Branche komme, hat mich der Datenschutz in seiner vollkommenen Gänze nie interessiert. Natürlich regiert bei mir (hoffentlich) der gesunde Menschenverstand, aber das ist nun mal der Preis, den man zahlen muss: ich kann nicht die Angebote des Internets nutzen und dabei vollkommen anonym bleiben. Woher soll Amazon wissen, wohin es meine Päckchen schicken soll, wenn ich keine Adresse angebe? Wie soll ich für mich nützliche Dienste bezahlen, wenn ich keinerlei Daten hinterlassen will? Selbst bei Rechnungskauf oder Paypal kriegen sie zumindest mal meinen Namen. Nur so als Beispiel.

Meine Jungs aus der Fachschaft Informatik kriegen jedes Mal einen halben Nervenzusammenbruch, wenn ich sage, dass verschlüsselte Emails nicht mein Ding sind. Warum nicht? Weil es mir einfach zu kompliziert ist. Weil mir und wahrscheinlich 90% aller Nutzer/innen des Internets generell „Sicherheit im Netz“ zu kompliziert ist. Und ich gehe einfach mal frech davon aus, dass ebenso wie ich viele Nutzer/innen von der neuen Datenschutz-Verordnung genervt sind, weil sie keine (wirkliche) Ahnung haben, worum es geht, das, warum es geht, sowieso nicht nutzen (wollen) und im Endeffekt nur nervige Emails und noch nervigere Halbweisheiten dabei rumkommen. Alle haben Stress und keine/r weiß so richtig, warum. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.

Aber darum soll es eigentlich gar nicht gehen.

Diesen Blog weiterzuführen ist eine Idee, die ich schon länger wieder mit mir herumtrage. Blogs schauen einem von jeder Ecke des Internets an und ich muss gestehen, dass ich Blogs mag und viele Blogs sind heute interessanter als diverse Webseiten. Aber gleichzeitig wusste ich gar nicht so recht, wie ich (wieder) anfangen sollte. Und ob ich wieder anfangen sollte. Wo ich wieder anfangen soll, denn ich hatte, wie mir schien, mir selbst ein recht unübersichtliches Chaos hinterlassen.

Kleine Bestandsaufnahme: Ich habe Webspace bei zwei verschiedenen Anbietern, den ich zwar bezahle, aber schon lange nicht mehr nutze. Ich habe eine Webseite, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr pflege. Flickr hat, seit ich das letzte Mal etwas hochgeladen habe, zwei Mal den Besitzer gewechselt. Meine Facebook-Gruppen sind auch gestorben und quasi schon verwest. Dazu kommen noch drei Blogs, von denen der aktuellste Eintrag vom September letzten Jahres ist. Von den gefühlt 378 Email-Adressen, die ich mir im Laufe der letzten Dekaden angelegt habe, will ich erst gar nicht reden. Das Einzige, was ich in unregelmäßig regelmäßigen Abständen nutze, ist Instagram.

Bevor ich also mich ernsthaft damit beschäftige, wenigstens einen Blog wieder zum Leben zu erwecken, sollte ich vielleicht erstmal ein paar Altlasten loswerden.

Dazu braucht es aber erstmal eine gute Portion Realismus, die sämtliches „Aber…“ beiseite walzt. Man muss Argumentationsketten finden, mit denen man sich selbst am Riemen reißt.

Am einfachsten ist das noch beim Webspace. Gott, was habe ich früher gerne an Homepages gebastelt. Die Betonung liegt auf „früher“. Da hatte ich noch Zeit, Energie und brauchte weniger Schlaf. Dass ich mich jemals wieder regelmäßig um eine Webseite kümmern werde, ist völlig utopisch. Und es spart Geld, es nicht zu tun. Also habe ich -ganz rigoros- meinen Webspace gekündigt. Natürlich, kurz nachdem ich den Jahresbeitrag bezahlt habe. Versteht sich. Und das erste, was ich als Antwort bekam, war, dass ich das Geld natürlich nicht zurückbekomme. Geschenkt. Behaltet es, denn es ist das letzte Mal, dass ihr Geld von mir bekommt. Beim zweiten Webspace bin ich noch dabei zu kündigen. Denn dort, wo man angeblich im Internet seine Kündigung kundtun kann, habe ich bisher immer nur ein „Der Zugang ist derzeit nicht möglich“ zu lesen bekommen. Wahrscheinlich muss es also old-fashioned per Post gehen. Wenn ich nur so unwichtige Dinge wie meine Kundennummer noch kennen würde… O.O

Bei den Blogs ist das Ganze schon schwieriger. Ich habe einen über meine Tiere, der letzte Eintrag ist von Oktober 2016. Mittlerweile gibt es neue Mitbewohner/innen, während andere den Weg über die Regenbogenbrücke gegangen sind. Die Stallverhältnisse habe sich mehrfach geändert. Aber ganz ehrlich: schaffe ich es, ZWEI Blogs zu unterhalten, während ich bei einem schon meine Bedenken habe? Oder schaffe ich es doch, die Tiere in diesen einen Blog zu integrieren, obwohl ich doch eigentlich die Themen Fotografieren, Tiere und Lesen getrennt halten wollte? Apropos Lesen: dritter Blog. Ja, ich lese viel und ich habe zu jedem Buch eine Meinung. Aber ich habe beschlossen, dass es schon genug Blogs gibt, auf denen jemand seine Meinung zu Büchern kundtut und Amazon Rezensionen gibt es ja auch noch. Nein, die Welt braucht meinen Blog nicht. Geeeelöscht.

Was die Facebook-Gruppen angeht, muss ich erstmal herausfinden, wie man die überhaupt löscht. Aber da sie ohnehin nur wenige Mitglieder aus meinem Freundeskreis beinhalten, ist das nicht so tragisch. (Ja, ich bin auf Facebook und auch, wenn ich es nicht exzessiv nutze, die App mir mehr Werbung als Einträge anzeigt und Facebook das überhaupt Allerböseste auf der Welt ist, hat es auch seine guten Seiten.)

Okay, die (digitalen) Aufräumungsarbeiten haben begonnen. Jetzt folgen die im häuslichen Leben: das Wohnzimmer. Gibt es hier irgendwo in der Bude einen „Reset“-Knopf? O.O

in eigener sache

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Emma Peel:"I suppose Mother warned you about women like me?"
John Steed: "Until now, I didn't know there were women like you."

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