Life is live

Wie ich schon in einem kurzen Post zuvor erwähnt habe, sind meine Vorsätze, mich hier öfter zu melden, an der Realität gescheitert.

Die meisten werden das kennen: neben der Arbeit (für die man bezahlt wird) und der Hausarbeit (für die man nicht bezahlt wird), neben Haustieren (für die man quasi nur bezahlt) und den Frondiensten für die Familie bleibt (Daseinsberechtigung, wie meine Mutter das nennt) bleibt meistens kaum Zeit für etwas anderes. Vielleicht wäre der Geist willig, aber häufig ist das Fleisch schwach. Oder beides. Meistens beides.

Und wenn das noch eine Beziehung ins Spiel kommt, hat der Tag, der sowieso zu wenige Stunden hat, noch weniger Stunden.

Nach zehnjährigem Single-Dasein kam relativ unverhofft das Ende jener Single-Phase. Alles hat seine Vor- und seine Nachteile. Das Single-Leben so wie eine Beziehung.

Junggesellinnen-Bude

In meinem Fall war es so, dass die Liebe etwas weiter weg wohnte und ich aufgrund meiner Tiere nicht einfach mal so weg konnte. Da wir aber beide in der gleichen Stadt arbeiten, ergab es sich relativ schnell, dass die Liebe bei mir einzog. Platz habe ich. Das Blöde war nur, dass meine Bude eine typisch verranzte Single-Bude war. Warum etwas reininvestieren? Geht doch. Irgendwie. Es gab auch Dinge, die mich durchaus an meiner Bude genervt haben. Aber ich hatte nie die Energie, etwas daran zu ändern.

Mit dem Einzug der Liebe hat sich das geändert. Nicht, dass sie mit dem Stahlbesen durch alle Räume gegangen und mir mitgeteilt hat, was sich gefälligst zu ändern hat. Es war mehr oder weniger so, dass ich aus meiner Komfort-Zone raus musste.

Mittlerweile haben wir das Bad neu gestrichen und eine gute Dusch-Abtrennung für die Badewanne installieren lassen. Bis dato hatte ich so ein wackeliges Ding aus irgendeinem Kaufhaus, das schon hundert Mal wieder zusammen gebastelt worden ist und nur noch an einem seidenen Faden hing. Ich behalf mir die ganze Zeit über damit, einfach nicht zu duschen, sondern nur zu baden. Obwohl duschen ja viel schneller geht. Auch, dass das Wasser nur in einem Rinnsal aus der Dusche lief und eine Badewanne fast eine halbe Stunde brauchte, um endlich halbwegs voll zu sein (von warmen Wasser mal ganz abgesehen, das war eher Mangelware), hat mich wenig gestört. Naja, gestört vielleicht schon, aber es ging ja irgendwie. Auch dieses Problem habe ich gelöst, in dem ich meinem Vater (Hausbesitzer) so lange auf den Sack gegangen bin, bis er endlich einen Handwerker geholt hat. Siehe da. Da war ein Teil kaputt. Ausgetauscht, das ganze Haus hat wieder heißes Wasser und ordentlich Druck auf der Leitung.

Mein ehemaliges Büro, das im Grunde nur eine Mischung aus Abstellkammer und Winterquartier für die Meerschweinchen war, und noch mein Kinderzimmer beherbergte, weil jedes Mal, wenn ich auch nur daran dachte, die ganzen Möbel rauszuschmeißen, mein Vater Schnappatmung bekam („Das ist doch noch gut!“ – „Ja, Papa, aber ich bin mittlerweile 42!“). Auf der anderen Seite sträubte es mich auch, die ganzen Schränke mal zu öffnen und auszusortieren. Ganz ehrlich: ich habe kein Problem damit, Dinge wegzuwerfen. Aber ich habe ein Problem damit, dass man -in Deutschland- alles an andere Stellen bringen muss, um es fachgerecht zu entsorgen. Man ist quasi nur damit beschäftigt, A hierher, B dorthin und C wieder woanders hin zu kutschieren. Liste durchzulesen, was man zum Sperrmüll stellen darf. Emails an irgendwelche Stellen zu schreiben, von denen man sowieso keine Antwort bekommt (Müllverbrennungen, Kompostierungen, etc.). Mich wundert es nicht, dass manche so verzweifelt sind, dass sie alles in den Wald kippen. Gut, da wird weniger Verzweiflung, als mehr Faulheit der Grund sein, aber trotzdem…

Natürlich kann man Sperrmüll bestellen. Das dauert dann zwar acht Wochen, bis der kommt und man muss die Dinge dann halt irgendwo zwischenlagern. Und irgendwann ist halt auch kein Platz mehr. Wenigstens konnte man alles, was nicht niet- und nagelfest war, zur Müllverbrennung fahren. Das hat die Dinge erleichert. Nur geht das jetzt auch nicht mehr, die hat geschlossen.

Natürlich habe ich es auch über Plattformen im Internet versucht. Wenn auch nicht gerade Ebay, aber doch das hochgelobte shpock. Nachdem ich allerdings drei Mal versetzt wurde, war mir das auch zu blöd. Ich habe echt keine Zeit, ständig irgendjemandem hinterher zu laufen. Das nervt!

Zu guter Letzt wurde das Zimmer von einer Bekannten meiner Mutter abgeholt und -damals noch möglich- alles andere, was nicht zum Sperrmüll oder zum Elektroschrott konnte, zur Müllverbrennung gefahren. Danach wurden neue Möbel bestellt, der ganze Raum mit Teichfolie ausgeschlagen und schließlich haben jetzt die Kaninchen ihr eigenes Zimmer. Nicht ganz uneigennützig, denn dafür sind sie aus dem Wohnzimmer rausgeflogen. Dessen Renovierung war auch nicht ganz ohne. Auch hier neue Möbel, Teppiche, Vorhänge… Die alten Teppiche, der Stall, in dem die Kaninchen gelebt haben, und diverser Müll stehen übrigens in der Garage. Weil eben die Müllverbrennung zu hat und wir erst auf den Sperrmüll warten müssen.

Familie

Meine eigene Familie okkupiert schon auch den ein oder anderen Tag. Insbesondere, wenn es um Gartenarbeit geht. Nun kommt ja noch die Familie meiner Liebe hinzu, die eben mal einfach 1.5 h Weg wegwohnt. Ein Besuch ist also immer damit verbunden, dass auch mindestens ein Tag weg ist.

Tiere

Neben zwei Aquarien hüpfen hier noch zwei Meerschweinchen und drei Kaninchen herum. Im Winter waren noch alle drin, im Sommer sollten eigentlich alle nach draußen. Aber auch hier sind sämtliche Pläne an der Realität zerschmettert. Pläne wurden geschmiedet, Dinge gekauft, der Plan für unrealisierbar verworfen, neue Pläne geschmiedet, neue Dinge gekauft. Usw. Mittlerweile sind wenigstens die Meerschweinchen draußen und in der Garage und im Keller stehen unbenutzte Gehege und Ställe, die ich irgendwie wieder loskriegen möchte. Aber entweder, die Leute, an die ich mich wende, haben gerade kein Interesse oder keinen Platz oder aber Anfragen bei Stellen wie z.B. Tierheimen (ich würde die Dinger sogar spenden, obwohl sie über 200 Euro gekostet haben), bleiben unbeantwortet. Das nervt.

Krankheiten

Wenn wir also mal nichts zu tun haben – was realistisch gesehen nie wirklich der Fall ist -, wir beide frei haben, das Wetter nicht zu warm, nicht zu kalt, nicht zu trocken und nicht zu nass ist und wir theoretisch einen (oder gar zwei!) Tage frei hätten, wird unter Garantie eine von uns krank. 😦 Heuschnupfen-Schübe, Magen-Darm, Kopfschmerzen, irgendwelche Zyklus-Geschichten, Rückenschmerzen, Erkältungen … irgendwas ist IMMER.

 

In den letzten neun Monaten war also relativ wenig Zeit für Hobbies, für die man vor die Tür gehen muss. Es war ohnehin relativ wenig Zeit, selbst, um einfach nur ein Buch zu lesen. Ich kam mir vor, als wäre ich die meisten Zeit vor allem damit beschäftigt gewesen, in jeder frei Minute irgendwas zu organisieren oder irgendwelche Pläne zu schmieden, wie man etwas organisieren könnte. Dabei bin ich auf viele neue Wege gestoßen, aber auch eben darauf, dass viele Wege mangels Kommunikation nur auf dem Papier bestehen.

Wenn man abends um 18 Uhr nach Hause kommt und froh ist, wenn man es bis 22 Uhr schafft, geduscht auf dem Sofa zu liegen, etwas gegessen hat, die Tiere versorgt sind und man nicht sofort ins Koma fällt, wenn die Wochenenden gefüllt sind mit Renovierung, Familienbesuchen, Gartenarbeit, dem Planen und Aussuchen von Möbeln etc, Einkaufen, Hausarbeit… Kurz gesagt: Wenn das alles der Fall ist, dann hat man einfach keine Zeit, ein paar Fotos zu machen.

Natürlich kann man jetzt argumentieren: gerade, wenn es so stressig ist, sollte man sich eine Auszeit können und fotografieren gehen. Mal in die Natur. Einfach mal spazieren gehen oder so. Tun wir auch. Wir gehen gerne spontan raus. Mal eben um den Block. Da kann dann auch ein zweistündiger Spaziergang draus werden. Wir sind auch beide gerne draußen.

Das Ding ist nur: Wenn wir die Wahl haben, einen Sonntag Nachmittag drei Stunden spazieren zu gehen oder auf dem Sofa einfach mal zu schlafen … so gebe ich zu … gewinnt im Moment meistens das Sofa.

Aber manchmal klappt es eben doch. 🙂

in eigener sache

missmagistra View All →

Emma Peel:"I suppose Mother warned you about women like me?"
John Steed: "Until now, I didn't know there were women like you."

4 Comments Hinterlasse einen Kommentar

    • Ja, unsere Stammesälteste ist gestorben. Ich hatte sie um 18 Uhr noch gefüttert, da war noch alles gut und sie kam zum Fressen und um 19 Uhr lag sie da und war eingeschlafen. Scheinbar ganz friedlich.
      Jetzt reichen mir erstmal die zwei, die ich noch habe. Wie war das … Alltag und Zeit? Vielleicht kommt irgendwann wieder was dazu.

  1. Memo an mich selbst:
    1. Keine Beziehung.
    2. Wenn, dann nicht zusammenziehen
    3. Schön weiterhin in WGs wohnen
    4. Den WG-Kater sofort aus dem Zimmer verbannen.

    😉

    Schön, dass du noch lebst. So lakonisch, wie du davon erzählst, kann es nur halb so schlimm sein. Die Hauptsache ist ja, dass es dich erfüllt. 🙂

    • Ich weiß nicht, ob es mich erfüllt, aber es füllt auf alle Falle irgendwas. Und wenn es nur den Tag ist… 😀

      Punkt 1+2: Hätte ich vor zehn Monaten noch voll unterschrieben! Aber es kommt, wie es kommt (weil es das immer tut!). Hat beides seine Vor- und Nachteile. 🙂
      Punkt 3: Habe ich auch schon, ist auch nicht so viel anders, außer, dass man mehr Platz im Bett hat. 😀
      Punkt 4: Absolut!

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